Der “neue” alte Weltspiegel Cottbus wurde zu einem Filmtheater, welches die Sehnsucht nach den prachtvollen Filmpalästen aus vergangenen Zeiten erfüllt und gleichzeitig ein Statement für ein zeitgemäßes Innenstadtkino abgibt. Als Kultureinrichtung für ein breites Publikum mit Konzerten, Kabaretts, Veranstaltungen und Filmen in modernster digitaler Projektion bleibt er auch für die Zukunft der Ort, der noch viele Erinnerungen prägen wird.
Innenarchitektur Stuttgart - Filmtheater, Kino, Film, Weltspiegel Cottbus, Sanierung, Öffentliche Bauten, Historie

Einleitung

Mit über 100 -jähriger Geschichte gilt das Filmtheater Weltspiegel Cottbus als einer der ältesten Kinozweckbauten Deutschlands und als beliebtes Innenstadtkino welches viele Kindheitserinnerungen geprägt hat . Ein Cottbuser Enthusiast ließ das ehemalige Einsaalkino durch Studio Alexander Fehre neu konzipieren und durchgängig gestalten. Zwei zusätzliche Kinosäle mit jeweils 80 Plätzen und eine Kinobar gehören nun im Erweiterungsbau zum Weltspiegel. Der historische Saal mit 520 Plätzen wurde durch eine einfahrbare Podestierung auch für Veranstaltungen nutzbar gemacht. Er gilt mit seiner goldenen, denkmalgeschützten Kassettenecke als das Highlight des Gebäudes. Durch eine erlebnisreiche und durchgängige Innenarchitektur mit Verweisen auf die frühe Kinogeschichte gelang eine spannende Zusammenführung von Historie und Moderne.

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Historischer Saal

Der historische Saal erstrahlt nach behutsamer Sanierung in altem Glanz. Er ist das seltene Zeugnis aus der frühen Epochen des noch jungen Mediums Kino. Als historisches Highlight gilt die freigelegte und restaurierte Kassettendecke in einem kupfergoldenen Farbton, welche genau die richtige Balance zwischen Reflexion und Dunkelheit für den Kinobetrieb besitzt. Sie steht als gesamtes Bauteil unter Denkmalschutz und der Originalzustand von 1911 wurde wiederhergestellt. In den Kassetten sind Glühbirnen eingelassen, welche die Decke zu einem Sternenhimmel werden lassen und sich langsam bei Beginn des Films abdunkeln. Zur Unterstützung der Lichtsituation wurden seitlich Leuchtstoffröhren eingebaut, welche die Wölbung der Decke hervorheben und zusätzlichen Glanz verleihen. In Gedenken an Stummfilmzeiten, zu denen es keine Lautsprecher an den Wänden den Raumeindruck störten, gibt es keine sichtbaren Boxen. Diese sind in die Wände eingelassen und mit Stoff überspannt. Um den Saal für Veranstaltungen nutzen zu können, welches ein Hauptanliegen des Bauherren war, wurde in Zusammenarbeit mit dem ausführenden Unternehmen eine spezielle Podestierung entwickelt. Je nach Nutzungsbedarf kann diese komplett eingefahren werden und so den darunter befindlichen Parkettboden freigeben. Die Podeste, auf denen die Stuhlreihen montiert sind, lassen sich mit ein paar Handgriffen wie ein Teleskop einfahren. Eine mechanische Synchronisierung sorgt dafür, dass die Podeste nicht verkanten und reibungslos auf eine lange Zeit funktionieren. Die 520 Sitzplätze wurden, passend zum Farbkonzept, aufgearbeitet und neu gepolstert. Erhalten blieb auch die durchgehende Ablage für Gläser und Snacks. Die alte Bühne wurde komplett neu aufgebaut, in ihrer Grundform und Höhe jedoch belassen und dient als Stauraum für die Stuhlreihen. Außerdem verbergen die Lamellen an den äußeren Seiten die erforderlichen Entrauchungskanäle.

Die Holzverkleidung im Erdgeschoss wechselt zwischen offener Lamellenstruktur und geschlossenen Kassetten und orientiert sich in ihrer Gestaltung zum Teil an der des Bestandes im Rang. Im Bereich der Eingänge jedoch erfährt die Verkleidung eine außergewöhnliche Einwölbung, um die Feuerlöscher aufzunehmen. Dieses Detail unterstützt den “Erlebnisraum Kino” und wirkt der vorwiegend klassischen Erscheinung der Wandverkleidung subtil entgegen. 

Das Farb-und Materialkonzept orientiert sich an den befundeten Originaltönen der Decke und der Wandlisenen und wird durch die Stoffe und Farben, wie z. B. der Stühle und der Wandbespannung ergänzt. Nicht nur aufgrund der Historie wurde besonderer Wert auf die Auswahl der Farbtöne und Stoffe gelegt, sondern auch um dem geforderten eleganten Erscheinungsbild des Saales bei Veranstaltungen gerecht zu werden. 

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Foyer und altes Treppenhaus

Der Eintritt ins Kino ist der Austritt aus der Realität. Diesem Leitmotiv begegnet man auf subtile Weise als Erstes im Foyer, welches komplett neu gestaltet wurde. Empfangen wird man am Eingang von zwei großen Kronleuchtern bestehend aus jeweils drei messingfarbenen Fotoleuchten. Sie erinnern an den Ursprung der Filmtechnik, die Serienfotografie. Bewegt man sich weiter auf dem Teppich in den Raum hinein, bemerkt man den speziellen 3D-Effekt im Moiré des Teppichmusters im Zusammenspiel mit der Deckenerhebung. Die Decke des Foyers wurde von den erforderlichen Zuluftauslässen befreit und homogen gehalten, um die Deckenerhebung mit der Projektion besonders zu inszenieren. Aus der Stützenverkleidung, in der Mitte des Raumes, projiziert ein Beamer genau in die elliptische Deckenerhebung und öffnet so ein imaginäres Fenster in die Fantasiewelt. Die erforderlichen Schlitzauslässe für die Zuluft wurden in die Seitenwände gesetzt und als vertikale Lichtfuge ausgeführt. Den Tresenbereich umgibt umlaufend eine stoffbespannte Wandverkleidung, welche sich bis in den historischen Saal erstreckt und zusammen mit dem Eichenfurnier eine Verbindung der Materialwelten zwischen den beiden Räumen schafft. Durch den angeschlossenen und unter Denkmalschutz stehenden Treppenaufgang erreicht man das Rangfoyer im 1. Obergeschoss. Eine Bilderwand zeigt Fotos aus der Geschichte des Weltspiegels.

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Neubaukomplex

Der neu errichtete Anbau mit den zwei neuen Kinosälen und einer Bar im Erdgeschoss komplettiert das neue Gesamtkonzept des Weltspiegels. Im regulären Kinobetrieb kann so eine vernünftige Auslastung erreicht werden, und falls der Altbau durch eine Veranstaltung belegt ist, kann der Neubauteil autark als Kino weiter betrieben werden. Das Treppenhaus in einem dreieckigen Grundriss verbindet Altbau und Neubau und durch den Fahrstuhl sind alle Kinosäle behindertengerecht zugänglich.

Die beiden neuen Kinosäle mit jeweils 80 Plätzen haben einen ähnlichen Grundriss, stellen aber zwei unterschiedliche Archetypen dar. Der Saal 2 steht für den erlebbaren und erzählerischen Raum, der schwarze Saal 3 dagegen ist sehr technisch gehalten und lässt den Besucher unabgelenkt und konzentriert einen Film sehen. Sinnbildlich für die fernsteuerbare, digitale Projektionstechnik liegt die Besonderheit des Grundrisses darin, dass der Projektorraum im Kinosaal verortet ist und auch nur durch diesen zu begehen ist. Beide Säle wurden mit einer Kühldecke ausgestattet, die Belüftung erfolgt durch die Podestierung welche als Hohlkammer ausgebildet wurde.

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Kinosaal3 "Black Box"

In seiner schwarzen, technisch modernen Erscheinung und dem Spiel der Lichtlinien erweckt der dritte Kinosaal im 2. Obergeschoss sofort Assoziationen an Science-Fiction-Filme. Gleichzeitig lässt er den Besucher unmittelbar und stärker als die anderen Säle in den Film eintauchen und beschert ein intensives Erlebnis filmischer Immersion. Der komplette Raum ist in Schwarz gehalten und alle Lautsprecher befinden sich unsichtbar hinter der Stoffbespannung, nichts soll vom Film ablenken, wenn das Licht ausgeht. Die sogenannte "Black Box", besteht aus polygonalen Flächen, welche sich aus der Decke und der Wand heraus falten, um eine spannende Raumstruktur zu bilden. Um diese noch stärker zu dynamisieren, folgt eine LED-Lichtlinie dieser Faltung, ausgehend vom Vorführraum über die Decke und bis hin zu den Seitenwänden der Filmleinwand. Die Stirnwand des Vorführraumes ist bekleidet mit einem Feld aus hexagonalen Glasflächen, welche den Raum reflektieren und ihn damit noch abstrakter erscheinen lassen.

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Kinosaal2 "Kinematograph"

Im Kinosaal 2 erinnert die Faltung der stoffbespannten Wand und die große runde Glasscheibe in der Holzverkleidung an Form und Aufbau alter Kameras. Eine kleiner Ausschnitt in dem Spezialglas ist für die Projektion transparent, der Rest der Fläche ist vollflächig bedruckt mit einer Grafik der Fotoblende. Passend dazu sind in der Decke Downlights eingebaut, welche die Sitze akzentuieren und durch ihre Anordnung eine Verbindung zwischen Projektorraum und Leinwand herstellen. Die Sitzreihen und die Podeste sind im Gegensatz zum dritten Saal rund angeordnet.

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Cinebar

Die neue Bar im Erdgeschoss des Neubaus kann unabhängig von den Kinospielzeiten betrieben werden. Der lange L-förmige Tresen bildet den Anlaufpunkt für die Besucher und vereint den Kartenverkauf für die Kinos und den Barbetrieb. Die Tresenplatte kragt auf der einen Seite nach außen aus und akzentuiert somit die Barsituation, auf der anderen Seite wird der eingebaute Popcornwärmer inszeniert. Das Rückbuffet besteht aus offenen und locker angeordneten, geweißten Sperrholzkuben und kann flexibel bestückt werden. Die abgehängte Decke wird bespielt von einer LED-Linie, welche eine freie Form vom eingebauten Beamer bis hin zur gefalteten Spiegelwand beschreibt.

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Toiletten

Die Toilettenanlage im Untergeschoss des Altbaus erinnert mit den Aufputz verlegten Stoffkabeln und den dazu passenden schwarzen Leuchten mit einem Augenzwinkern an vergangene Tage. Die Kabel bahnen sich, jeweils ausgehend von einem speziell angefertigten Verteilerkasten, ihren Weg quer über die Decke bis hin zu je einer Leuchte. Im Herren-WC sind die Kabel streng parallel mit Abzweigungen verlegt, im Damen WC hingegen beschreiben sie eine freiere Form. Die Waschplätze aus Corian schweben optisch vor den kreisrunden Spiegeln und verleihen den Vorräumen Größe. Zusammen mit der intensiven Farbgebung der Wände wird so wieder eine Brücke in die heutige Zeit geschlagen.


Typus

Historisches Filmtheater 
mit neuem Anbau

ORT/JAHR

Cottbus/2012

team

Alexander Fehre
Roger Gasperlin
Judy Hänel

größe

1450m²

fotografie

Zooey Braun

copyright

Studio Alexander Fehre