ARBEITSWELT & LABOR - PENZBERG
Roche Diagnostik-Innovationszentrum
Für Roche in Penzberg hat das Stuttgarter Studio Alexander Fehre die Arbeitswelt des neuen Diagnostik-Innovationszentrums entwickelt: 11.400 Quadratmeter, auf denen hochspezialisierte Labore und nutzerzentrierte Büroflächen über ein verglastes Atrium zusammenfinden – ein räumliches Betriebssystem für rund 1.000 Mitarbeitende an der Schnittstelle von Forschung, Entwicklung und Produktion.
Mit einer Investition von rund 300 Millionen Euro hat Roche in Penzberg ein Diagnostik-Innovationszentrum errichtet, in dem rund 1.000 Mitarbeitende an der Zukunft der In-vitro-Diagnostik arbeiten. Im östlichen Gebäudeteil liegen die hochspezialisierten Labore, im westlichen die Arbeitswelten; dazwischen verbindet ein großzügig verglastes Atrium beide Bereiche über mehrere Brücken. Studio Alexander Fehre lieferte hierfür keine klassische „Arbeitsweltgestaltung“ im engen Sinn, sondern eine ganzheitliche innenarchitektonische Antwort auf eine komplexe Nutzungsumgebung: Zwei Welten mit eigenen Regeln, Sicherheits- und Prozesslogiken sollten so zusammengeführt werden, dass sie sich funktional ergänzen und kulturell gegenseitig stärken.
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Ausgangspunkt war der reale Alltag der Mitarbeitenden. Der Weg durch das Gebäude führt – je nach Rolle und Tätigkeit – selbstverständlich durch beide Bereiche: von der Arbeitswelt über Atrium und Brücken bis in die Laborumgebung und wieder zurück. Genau diese Bewegung wurde als integrales Prinzip verstanden. Das Atrium und die Brücken sind deshalb nicht nur Verbindungsstücke, sondern räumliche Infrastruktur, die das Gebäude als Ganzes erlebbar macht: kurze Wege, klare Orientierung, Zonen für spontane Abstimmung. Die Brücken übernehmen dabei eine Schlüsselrolle – bewusst als lebendige Kommunikationszonen mit unterschiedlichen Breiten und offener Gestaltung entwickelt. Organisch geformte Sitzinseln aus einem eigens entwickelten Modulkatalog, ergänzt um Farbakzente, Leuchten und Pflanzen, machen aus Verkehrsfläche einen hochwertigen Aufenthaltsort. Im Atrium selbst verstärken frei angeordnete, mobile Möbelmodule und akustisch wirksame Verkleidungen diese Funktion: Der Raum empfängt Mitarbeitende und Besucher*innen, kann für Veranstaltungen genutzt werden und bildet die Mitte, die beide Arbeitsbereiche verbindet.
Parallel dazu wurde die Arbeitswelt in den Bürobereichen als differenziertes System aus Arbeitsmodi entwickelt. Auf Wunsch des Kunden entstanden „Nachbarschaften", die den Austausch fördern und die Gemeinschaft in den Teams stärken. Die Etagen sind so zoniert, dass Bereiche für stilles Arbeiten, gemeinschaftliches Arbeiten, Besprechungen und Pausen klar ablesbar sind – unterstützt durch Materialien, Farben, Stoffe, raumbildende Elemente, loses Mobiliar und Vegetation. Teeküchen und Aufenthaltsbereiche auf allen Etagen, vom Café im Erdgeschoss bis zur Sky-Lounge mit Alpenblick, ergänzen die Arbeitswelt um informelle Ankerpunkte.
Charakteristisch für die Leistung von Studio Alexander Fehre ist die Schnittstellenkompetenz: In enger Zusammenarbeit mit dem Laborplaner erstreckt sich die Innenarchitektur bis in die Laborflächen und prägt diese mit Farbe und Form – nicht als dekoratives Add-on, sondern als durchgängige Struktur, die Orientierung, Identität und Zusammenarbeit unterstützt, ohne die funktionalen Anforderungen der Laborwelt zu kompromittieren. Ein gestalterisches Bindeglied ist die von der Mikroskopie inspirierte Bodengrafik aus übergroßen organischen Feldern: Sie zieht sich über beide Gebäudeteile und alle Etagen und verbindet wechselnde Bodenbeläge zu einer visuellen Einheit.
Folglich wurden bei der Realisierung des Raumprogramms die Erschließungsflächen minimiert und durch Sitzgelegenheiten mit Aufenthaltsqualität versehen. Ein Leitmotiv der Gestaltung sind die abgerundeten Ecken, die den eingestellten Konferenzräumen, zahlreichen Sitznischen, visuell abgetrennten Funktionsbereichen oder der Küchentheke eine weiche Form verleihen.
Das Büro bietet verschiedene Bereiche für informelle Treffen, ähnlich einer WG-Küche, und wechselt zwischen offenen und geschlossenen Flächen auf einem fließenden, aber differenziert gestalteten Grundriss. Innenliegende Besprechungsräume, die weniger Tageslicht erhalten, sind dafür mit metallisch irisierenden Wandverkleidungen auf Gemütlichkeit und Effekt ausgerichtet. Weitere Gestaltungselemente umfassen eine maßgefertigte perforierte Metalldecke sowie etliche Möbel und Einbauten, die ebenfalls eigens für Hyatt entworfen wurden. Alexander Fehre betont, dass das für 80 Personen ausgelegte Büro nicht nur für das Hier und Jetzt, sondern auch für zukünftiges Wachstum konzipiert wurde; es kann durch wenige geschickte Eingriffe nachverdichtet werden.
Mit der Gestaltung des Hyatt-Büros gelingt eine Synthese von Professionalität und Gastlichkeit: Das vielseitige Programm auf differenzierten Flächen sowie die Maßanfertigungen schaffen eine stimulierende Umgebung für die Entwicklung weiterer Hotels, ohne ihre Ästhetik unverändert zu kopieren. Materialien wie textile Wandverkleidungen, richtungslos verlegtes polygonales Eichenparkett – ungewöhnlich in der Arbeitswelt – und darin eingefasste Teppichflächen, schaffen eine gastliche Atmosphäre
Gefragt nach den Höhepunkten des Auftrags resümiert Fehre: „Der Kunde selbst. Wir wurden eingeladen, einen Hybrid aus Büro und Hotel zu gestalten. Dieses Verhältnis auszuloten, zumal auf einer herausfordernden Fläche, habe ich sehr genossen. In dem Projekt spiegelt sich das Selbstbewusstsein der Hotellerie ebenso wie die Wertschätzung der Mitarbeiter.“
BRÜCKEN ALS TREFFPUNKT
Die Brücken über das Atrium verbinden Labor- und Bürowelt – organisch geformte Sitzinseln machen aus dem Weg einen Ort des Austauschs.
OFFENE NACHBARSCHAFTEN
Jede Etage ist zoniert für stilles Arbeiten, Austausch und Pause. Farben, Materialien und Vegetation machen intuitiv lesbar, wofür ein Bereich gedacht ist.
„Zwei Welten mit eigenen Regeln – zusammengeführt zu einem räumlichen Betriebssystem.“
FARBE BIS INS LABOR
Eine von der Mikroskopie inspirierte Bodengrafik zieht sich über alle Etagen – von der Arbeitswelt bis in die Hygienezone des Labors.
HOSPITALITY IM FORSCHUNGSGEBÄUDE
Café, Teeküchen und die Sky-Lounge mit Alpenblick bringen Aufenthaltsqualität aus der Hotellerie dorthin, wo sonst Funktion regiert.
Typus
Arbeitswelt & Labore
TEAM
Alexander Fehre, Annika Kaiser, Susanna Hönle, Daria Papkova, Lindsay Marsh, Can D. Kissling, Anna Aichele, Leslie Rupp, Federico Fait, Ljiljana Ninkovic, Ulrich Schnaithmann
ORT/JAHR
Deutschland / 2026
GRÖSSE
11.400 m²